zucht

 

Geschlechtsreife

Weibchen:

Weibchen werden ab der 4. bis 5. Lebenswoche geschlechtsreif. Eine Trächtigkeit sollte in diesem Alter unbedingt vermieden werden.

Böckchen:

Böckchen werden ab der 4. Woche geschlechtsreif und können erfolgreich decken. Deswegen ist bei Jungböcken darauf zu achten, sie früh genug von der Mutter und den Schwestern zu trennen. Es gab aber auch Fälle, in denen ein 3 wöchiges Böckchen, welches aber sehr groß war, seine Mutter gedeckt hat.

Zuchtreife

Weibchen:

Weibchen müssen bevor sie das erste Lebensjahr vollendet haben zum ersten Mal gedeckt sein. Optimal ist ein Alter zwischen 6 und 9 Monaten, weil sich mit zunehmendem Alter das Becken immer mehr verknöchert und so an Elastizität verliert und die Jungen steckenbleiben können. Durch eine Trächtigkeit wird das Becken weich gehalten.

Zwischen den Würfen sollte die Pause auch nicht länger als ein halbes Jahr betragen, aus oben genannten Gründen. Eine Geburt mit anschliessender Aufzucht ist sehr kräftezehrend und eine erneute, gleichzeitige Trächtigkeit sollte daher vermieden werden. Man muss von Tier zu Tier flexibel entscheiden, wann es wieder für einen nächsten Wurf breit sein wird.

Böckchen:

Böckchen können eigentlich sofort nach dem Trennen von der Mutter zur Zucht eingesetzt werden. Die Praxis zeigt, dass etwas ältere Böckchen besser geeignet sind, da die Weibchen jüngere/kleiner Böckchen nicht ernst nehmen und nicht an sich heran lassen. Im Gegenteil, er bekommt ärger und wird weggebissen. Je gößer und dominanter ein Bock, desto eher ordnen sich die Weibchen unter. 

Verpaarung 

Vorraussetzung:

Die Weibchen müssen für eine erfolgreiche Paarung natürlich brünstig sein. Das sind sie alle 14 bis 18 Tage. In diesem Zeitraum der Brünstigkeit sind die Weibchen nur wenige Stunden aufnahmefähig.

In einer Weibchengruppe erkennt man ein brünstiges Tier daran, dass es sich wie ein Bock benimmt und hinter den anderen Weibchen herbrommselt und sie auch nicht selten besteigt. Noch leichter ist es, wenn ein Kastrat in der Gruppe mitläuft. Dieser wittert wenn einWeibchen bereit ist und steigt ihr nach. Durch die Kastration hat er seinen Trieb ja nicht verloren. Ein nichtbrünstiges Weibchen würde den Bock äußerst heftig in die Schranken weisen, wenn er sie besteigen wollte. Eine sehr wirksame Waffe neben heftigem zetern und beissen, sind ein paar Urinspritzer direkt auf die schnüffelnde Nase des Bockes. Ist ein Weibchen jedoch willig, dann bleibt es sitzen und bietet dem Bock sein Hinterteil an, indem sie sich flach auf den Bauch legt und es etwas anhebt.

Man kann natürlich auch das Weibchen einfach so zum Bock setzen. Dieser findet dann schon raus, wann der richtige Zeitpunkt ist.

Deckakt

Der Deckakt dauert nur wenige Sekunden, wird dafür aber mehrmals wiederholt. Böcke können dabei sehr unsanft zu den Weibchen sein. Manche beissen sich im Nackenfell fest, was natürlich zu empörtem gequieke ihrerseits führt. 

Nach ein paar Stunden könnte man das Weibchen eigentlich wieder vom Bock trennen. Falls sich bei der ersten Brünstigkeit keine Trächtigkeit feststellen lässt, sollte das Weibchen erneut mit dem Böckchen vergessellschaftet werden.

Trächtigkeit

Ein Weibchen trägt im Durchschnitt 63 bis 72 Tage.

In den ersten Wochen bemerkt man von der Trächtigkeit überhaupt nichts. Sie fressen und trinken normal, sausen durch die Gegend und verhalten sich wie immer. Geübte Hände können ab der 3. Woche die Föten im Bauch der Mutter fühlen. Man muss nur aufpassen, dass man nicht zu fest auf dem Bauh rumdrückt. Viele Weibchen werden mit Beginn der Trächtigkeit extrem empfindlich am Bauch und finden es gar nicht witzig darauf rumgedrückt zu bekommen und setzen sich dann zur Wehr. 

Ab der 5. Woche bekommen die Weibchen etwas Bauch.

ACHTUNG! gerade jetzt machen "Anfänger" einen großen Fehler. Viele denken, dass das Schweinchen jetzt mehr Futter benötigt und erhöhen die Futtermenge auf ein Vielfaches. Gerade das Körnerfutter darf auf gar keinen Fall erhöht werden, da darin viel Stärke enthalten ist, die zur Leberverfettung führen kann. Dies kann wiederum zu einer Stoffwechselentgleisung führen, welche 98% der Weibchen nicht überleben. Das ist die sog. Trächtigkeitstoxikose! Also ganz normal weiter füttern oder lieber etwas mehr Grünes geben. Auch sollte man nicht zu vorsichtig mit dem Weibchen umgehen und es gar in "Watte packen". Es soll sich ganz normal bewegen, d.h. nicht aus der Gruppe nehmen auch wenn es Streitereien gib. Das hält nämlich den Kreislauf in Schwung.

Bis auf dass das Weibchen immer dicker wird, verläuft die Trächtigkeit unauffällig weiter. Im letzten Drittel nehmen sie stark an Gewicht zu. Ca. 2 bis 3 Wochen vor der Geburt beginnen die Föten sich zu spürbar bewegen. Wenn man die Hände leicht um den Bauch des Weibchens legt, kann man es fühlen. Diese Bewegungen werden immer stärker. Viele Weibchen "reden" nun mit ihrem Nachwuchs im Bauch. Spätestens jetzt sollte der Bock von dem Weibchen getrennt werden, da das Weibchen nach der Geburt sofort wieder brünstig wird und vom Bock gedeckt werden könnte. Dies sollte unter allen Umständen vermieden werden! Stress ist nun weitgehend zu vermeiden.

Trächtigkeitstoxikose: Sollte eine Toxikose vorliegen, dann äußert es sich in den letzten Tagen vor oder nach der Geburt. Erste Anzeichen sind: gesträubtes Fell, Appetitlosigkeit und eingefallene Augen. Bemerkt man diese Anzeichen, ist es bis auf wenige Ausnahmen schon zu spät. Durch diese Stoffwechselentgleisung vergiftet sich das Weibchen selbst und stirbt in 98% der Fälle. Die einzige Chance, die man hat, ist dem weibchen hochgradige Glukose (2ml pro Tag) zuzuführen. Es gibt zwar keinen Schutz, aber ich gebe meinen Tieren Vitacombex (Vitaminpräparat) zur Vorbeugung.

2 bis 3 Tage vor der Geburt senkt sich der Bauch ab und die Wirbelsäule tritt sichtbar hervor. Die Schambeinfuge dehnt sich gleichtzeitig dazu. 

Die Geburt

Anzeichen für eine kurzbevorstehende Geburt sind wie bereits erwähnt, sind absenken des Bauches und öffnen der Schambeifuge. Zum Erfühlen braucht es ein wenig Übung. Man setzt am besten ein Schweinchen vor sich und fährt mit seiner Hand an der wirbelsäule des Tieres entlang bis zum Steiss. Dort fühlt man dann eine Art "Schwanz", links und rechts davon befinden sich die Beckenknochen. Je weiter sich die Trächtigkeit der Geburt nähert, desto größer wird der Spalt zwischen dem Steißbein und den einzelnen Beckenknochen. Er kann eine Weite bis zu 2cm erreichen. Dieses nennt man auch die Daumenprobe, da dann ein Daumen dazwischen passt. Ist dies der Fall, dauert es bis zur Geburt 24 bis 72 Stunden. 

Falls der Bock sich noch beim Weibchen befindet, sollte er nun allerspätestens rausgenommen werden, da das Weibchen sofort nach der Geburt wieder aufnahmebereit wird und erneut gedeckt werden kann. Dies sollte aber unter allen Umständen strikt vermieden werden!

Unmittelbar vor der Geburt wird das Weibchen sehr nervös. Es läuft unruhig herum, legt sich hin, steht wieder auf, frisst etwas, legt sich wieder hin, trinkt etwas und so weiter. Auch fressen sie vermehrt ihren Blinddarmkot. Dann geht es los. Das Weibchen begibt sich in eine hockende Stellung und die Wehen setzen ein. Auslöser für die Wehen sind die Babys selbst. An der Wirbelsäule (vom Inneren des Tieres aus) befindet sich ein Punkt, der von den Babys angestossen werden muss, um die Wehen einzuleiten. Dies passiert dann, wenn sich die Babys in die richtige Lage drehen. Sind die Wehen erst einmal da, geht alles sehr schnell. Das Muttertier krümmt sich unter ihren Bauch und nimmt dort direkt das erste Baby in Empfang. Es wird durch die Beine nach vorne gezogen und sofort von der Eihaut befreit und abgeleckt. Oft werden die Kleinen dabei von der Mutter gezwickt und geben einen hohen Piepston von sich. Kaum ist das erste Baby einigermaßen versorgt, kündigt sich schon das Nächste an. Im gleichen Prozedere werden so alle Babys geboren. Das Ganze ist eine sache von etwa 20 Minuten. Meerschweinchen bekommen 1 bis 6 Babys. Durchschnittlich sind es 3 bis 4. Als letztes kommen die Nachgeburten. Jedes Baby hat seine eigene. Diese werden von der Mutter teilweise oder auch ganz gefressen. Es ist notwenidig, um die Michproduktion anzukurbeln. Das Geburtsgewicht bewegt sich in der Regel zwischen 60 und 90 Gramm. Ausnahmen mit mehr oder weniger sind natürlich möglich. 

Normalerweise machen die Weibchen alles selber und man bekommt von der eigentlichen Geburt gar nichts mit. Oftmals sind die Babys morgens einfach da und wuseln schon durch die Gegend. Sollte mab jedoch das Glück haben, bei einer Geburtdabei zu sein, dann sollte man sich ruhig verhalten und das Weibchen nicht stören! Es könnte sonst passieren, dass sie sich gestört fühlt und die Babys nicht richtig versorgt. In der Regel gibt es keine Probleme beim Geburtsvorgang.

Es kommt hin und wieder vor, dass Weibchen, die das erste Mal werfen, beim Aufbeissen der Eihaut nicht nachkommen, da die Jungen zu schnell hintereinander kommen. Dann kann man helfend eingreifen, indem man das Baby vorsichtig nimmt und es von der Eihaut befreit. Danach das Kleine mit einem trockenen, sauberen Tuch etwas abreiben und wieder zur Mutter setzt.

Etwas öfters kommt es vor, dass eines oder mehrere Babys des Wurfes tot geboren werden. Das kann daran liegen, dass entweder die Mutter die Eihaut nicht schnell genug entfernt hat oder die Geburt etwas zu lange dauerte. Denn mit einsetzen der Wehen, werden die Babys von der Versorgung durch die Mutter abgeschnitten.

Ab und an wird auch ein Wurf komplett tot geboren. Das kann viele Ursachen haben und ist jedes Mal sehr traurig. Die toten Babys und die Nachgeburten sind dann zu entfernen.

Oftmals helfen auch andere Weibchen bei der Geburt mit und lecken die schon geborenen Babys trocken.

Aufzucht

Meerschweinchenbabys sind Nestflüchter, das heisst sie werden vollständig behaart und mit offenen Augen geboren. Sogar der Zahnwechsel von den Milchzähnen zu den richtigen geschieht schon im Mutterleib. Schon nach wenigen Minuten fangen sie an zu laufen und den Käfig zu erkunden. Ein paar Stunden später wird schon zaghaft am Heu genagt, obwohl Mama's Milch ja noch viel besser ist. Da ein Weibchen nur zwei Zitzen hat, kann es je nach Wurfgröße gedränge an der Milchbar geben, aber erfahrungsgemäss bekommen alle genug ab.

Sollte es einmal Probleme mit der Milchversorgung der Babys geben (Mutter evtl. gestorben oder keine Milch vorhanden), kann man zufüttern.

Anfangs Katzenaufzuchtmilch (vom Tierarzt) anrühren und mit einer Spritze (ohne Nadel) alle zwei Stunden (auch nachts) direkt ins Mäulchen geben. Mit 1/2 ml beginnen und nach und nach steigern. Das Baby entscheidet recht schnell selbst wieviel Milch ihm gut tut. Nach dem Füttern muss das Bäuchlein noch etwas massiert werden, um die Tätigkeit von Magen und Darm anzuregen. Normalerweise macht das immer die Mutter. In diesem Fall muss Herrchen oder Frauchen einspringen. Nach ein paar Tagen kann man unter das Milchgemisch Babynahrung (Hipp oder Alete Gläschen Karotte-Kartoffel) mischen. Die Mischung immer mehr zugunsten der Gläschen ausweiten, bis letztendlich nur noch diese gefüttert werden.

Es gibt aber auch noch andere Varianten, um ein Babymeerschweinchen zu zufüttern.

Ich habe mein erstes Babymeerschweinchen mit Katzenaufzuchtsmilch zugefüttert, weil er bei der Geburt nur 54 Gramm wog und die Mutter nicht genug Milch hatte. Die Tierärztin hat ihm keine Überlebenschance gegeben, da er sehr schach war, doch das Tier ist durchgekommen! Also man hat eine Chance das Tier so zu retten! Dies gelingt zwar nicht immer, aber man sollte es zumindest versuchen, denn jedes einzelne Tier ist es Wert!!!

Meerschweinchenbabys nehmen sehr schnell an Gewicht zu. In den ersten Tagen erschrecken viele Besitzer, weil die Kleinen erst mal 5-10 Gramm verlieren. Keine Bange, dass holen sie ganz schnell wieder auf. Nicht selten haben sie in 10 Tagen ihr Geburtsgewicht verdoppelt. Muttermilch ist sehr nahrhaft. Nach ca. 3-4 Wochen entwöhnt die Mutter die Kleinen von sich aus und lässt sie nicht mehr an die Zitzen.

Mit 4 Wochen muss man nun schon wieder dran denken, die Böckchen von der Mutter und den Schwestern zu trennen. Der Zuchtkreislauf beginnt nun wieder von Vorne mit der Brünstigkeit des Weibchens.



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